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Fluchtversuche nach China

Nordkorea ist das wahrscheinlich am rigidesten abgeschottete Land der Welt. Es gibt weder Internet noch Radio und Fernsehen abseits der offiziellen Regierungspropaganda. Das totalitäre Regime riegelt das Land vollständig von internationalen Nachrichten und Informationen ab.

Der Tod des „geliebten Führers“ Kim Jong Il am 17. Dezember vergangenen Jahres scheint die Lage im Land noch zugespitzt zu haben. Zudem trieb zuletzt die andauernde Hungersnot die Bevölkerung vermehrt zu verzweifelten Fluchtversuchen über die Grenze nach China. Erstmals seit dem Tod des langjährigen Machthabers brachte Südkorea wieder Lebensmittelhilfe in den Norden. Vertreter der Koreanischen Stiftung für den Frieden überquerten mit acht Lastwagen mit einer Lieferung von 180 Tonnen Mehl die streng bewachte Grenze zwischen beiden Staaten, wie die Organisation am Freitag mitteilte.

Um seine Macht zu sichern, hat Kims Sohn und Nachfolger Kim Jong Un nun eine Warnung an die Bevölkerung ausgegeben: Vergehen, die während der staatlich verordneten 100-tägigen Trauerperiode begangenen werden, sollen besonders hart bestraft werden. Das berichtete der britische „Telegraph“.

Angst vor „nordkoreanischem Frühling“

Demnach ist nicht nur der Fluchtversuch aus dem von Armut und politischer Unterdrückung gezeichneten Land mit der Einweisung in Arbeitslager zu ahnden, auch das bloße Benutzen eines Mobiltelefons wird als Kriegsverbrechen angesehen und in gleicher Weise bestraft.

Das völlige Handyverbot soll sicherstellen, dass keine Informationen über das Weltgeschehen wie etwa die letztjährige arabische Revolution ins Land dringen und die Bevölkerung auf eigene Gedanken bringen. Denn Pjöngjangs neuer Diktator, der in dritter Generation die quasidynastische Herrschaft fortsetzt, ist sich offenbar der Rolle des Smartphone als Kommunikationsmittel zur Koordinierung etwaiger Proteste und Aufstände bewusst und will damit jeglichen Umsturzversuchen eines nordkoreanischen Frühlings vorbeugen.

Bis zu eine Million Handynutzer

In Nordkorea gibt es seit 2008 ein UMTS-Handynetz. Betrieben wird das Netz vom ägyptische Telekomkonzern Orascom in Partnerschaft mit dem staatlichen Konzern Koryolink. Die genaue Zahl der Handynutzer ist unbekannt, liegt aber nach Schätzungen aktuell zwischen 700.000 und einer Million. Angesichts der strengen Führung der insgesamt 24 Millionen Nordkoreaner ist das zwar überraschend viel, im internationalen Vergleich ist eine Durchdringungsrate von fünf Prozent der Bevölkerung aber noch sehr gering.

Auch ist ein Handy nicht für jeden zu bekommen und erschwinglich. Vor allem loyale Parteigenossen haben die Chance auf eines der umgerechnet 270 Euro teuren Mobiltelefone, wie „The Korea Herald“ berichtete. Und auch diese müssen sich genauen Regeln unterwerfen: Auslandsgespräche sind zum Beispiel unter Strafandrohung verboten bzw. technisch erst gar nicht möglich. Das Durchschnittseinkommen in Nordkorea liegt bei umgerechnet etwa 11,5 Euro.

Propaganda jetzt auch per MMS

Zu einer Öffnung des Landes bzw. einer freieren Kommunikationskultur hat die Einführung des Mobiltelefons bisher nicht geführt. Experten bezweifeln das auch weiterhin. „Viele Nordkoreaner hatten auch schon bisher Zugang zu kabelgebundenen Festnetztelefonen. Und auch die neuen Handys sind wie die alten Fesnetztelefone nur für nationale Anrufe nutzbar. Ich glaube daher nicht, dass wir Auswirkungen auf die politische Lage im Land erwarten können,“ so Dong Yong Sueng vom Samsung Economic Research Institute.

Einzige Nachrichtenquelle der Bevölkerung ist und bleibt die „Rodong Sinmun“, das offizielle Organ der Arbeiterpartei. Laut einem Bericht der südkoreanischen „Daily NK“ soll diese seit kurzem neue Wege beschreiten und neben der Printausgabe nordkoreanische Handyuser auch per MMS auf dem Laufenden halten.

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Publiziert am 27.01.2012