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Riesiges Ökotourismusprojekt geplant

Pläne eines chinesischen Investors, im Norden des Landes ein bis zu 120 Mio. Euro teures Ökotourismusprojekt umzusetzen, stoßen in Island auf geteilte Meinungen. Laut Medienberichten haben der Immobilientycoon Huang Nubo und die isländischen Eigentümer eines rund 300 Quadratkilometer großen Gebiets namens Grimsstadir a Fjöllum bereits einen Vertrag unterzeichnet.

Was allerdings noch fehle, sei die Einwilligung der chinesischen, vor allem aber der isländischen Behörden, da Island Miteigentümer des Lands ist, hieß es zuletzt in der „Iceland Review“. Laut deren Angaben plant Huang, Multimillionär und Vorstandsvorsitzender der Zhongkun Group mit offenbar besten Drähten zur chinesischen Regierung, auf der Hochebene die Errichtung zumindest eines Fünfsternhotels und eines 18-Loch-Golfplatzes.

Golfen bei minus 40 Grad

Nun stoßen chinesische Großinvestments schon an sich oft auf Skepsis. Bei Grimsstadir a Fjöllum kommt dazu, dass das Gebiet kaum mehr zu bieten hat als ein Bauernhaus, eine Landepiste, eine Wetterstation und mit fast minus 40 Grad im Jahr 1918 die tiefste jemals in Island gemessene Temperatur - nicht gerade übliche Voraussetzungen für ein Luxusresort. Huang wolle, berichteten „Iceland Review“ und „Financial Times“, das Gebiet um umgerechnet fast neun Mio. Euro kaufen und nochmals mindestens 90 bis 110 Mio. Euro in die Erschließung investieren.

Spekulationen über tatsächliche Absichten

Gegner des Projekts fragten sich allerdings laut „Financial Times“, wozu Huang, laut „Forbes“-Liste die Nummer 161 unter den reichsten Chinesen, 300 Quadratkilometer für sein Hotelprojekt braucht. Das Gebiet entspricht über 70 Prozent der Fläche Wiens oder knapp 0,3 Prozent des isländischen Staatsgebiets.

Es wird gemutmaßt, dass Huang, der früher für das chinesische Infrastrukturministerium tätig war, für Peking in Island einen Fuß in die Türe setzen und eine Art strategischen Außenposten errichten will. Die Regierung in Reykjavik wisse „nicht recht, ob sie sich über die Pläne freuen soll - oder zum Opfer politischer Expansionspläne wird“, hieß es dazu im deutschen „Spiegel“. Mitte Oktober richtete das Land eine offizielle Anfrage an Huang, was seine Pläne betrifft.

Schiffsdrehscheibe der Zukunft?

China kauft derzeit über Großinvestoren und über seinen Staatsfonds riesige Landflächen in Afrika, Asien und Lateinamerika, ist aber im für den Schiffsverkehr wichtigen Nordatlantik bisher nicht vertreten. Island liegt zwischen Europa und den USA und könnte damit, so die „Financial Times“, zu einer Drehscheibe werden, falls die derzeit zu einem großen Teil von Eis bedeckten arktischen Gewässer infolge des Klimawandels für große Frachtschiffe befahrbar würden.

Islands Innenminister Ögmundur Jonasson, der bei dem Projekt das letzte Wort hat, sieht den Deal mit gemischten Gefühlen: „China war sehr aktiv, was den Kauf von Land rund um die Welt betrifft, also müssen wir uns der internationalen Auswirkungen bewusst sein“, zitierte ihn die „Financial Times“. Aus dem Außenministerium in Reykjavik hieß es, man begrüße grundsätzlich ausländische Investments und eine Aufwertung des Tourismus, aber es brauche eine genaue Prüfung der Rahmenbedingungen des Projekts Grimsstadir.

Naturliebhaber, „Poet“ und Abenteurer

Huang sieht sich laut „Financial Times“ als Naturliebhaber, „Poeten“ und Abenteurer, der bereits beide Pole erreicht und den Mount Everest bestiegen hat. Seine Sympathien für Island kämen daher, dass er sich als junger Student in Peking ein Zimmer mit einem Isländer geteilt habe. Huang interessiere die Natur viel mehr als Geopolitik, sagten Freunde des Immobilientycoons, dessen Vermögen auf über 600 Mio. Euro geschätzt wird.

Viel Geld und die richtigen Freunde

Vielleicht stehen Huangs Chancen, zum Zug zu kommen, gar nicht so schlecht. Der seinerzeitige Studienkollege Hjorleifur Sveinbjornsson, der als sein Verbindungsmann in Island agiere, ist laut „Financial Times“ der Ehemann der früheren isländischen Außenministerin und Bürgermeisterin von Reykjavik, Ingibjörg Solrun Gisladottir. Für den Deal müsste Island ein Gesetz ändern, das den Verkauf derart großer Flächen an Ausländer verbietet. Fraglich ist, ob Innenminister Jonasson eine Ausnahme macht.

Ausländische Investitionen kann Island gut gebrauchen. Das Land war im Jahr 2008 durch seine Bankenkrise finanziell unter die Räder geraten. Das Onlinemagazin Shanghaiist.com zeigte sich schon allein deshalb salopp zuversichtlich: „Sieh es ein, Island. Du brauchst das Geld, und der Typ hat es.“

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Publiziert am 13.11.2011